Bürgerschützenverein Dorsten-Holsterhausen 53

Chronik

Die Geschichte unseres Vereins.

Chronik des Bürgerschützenvereins Holsterhausen 53

Vorwort

Als nach dem verlorenen 2. Weltkrieg der Allgemeine Schützenverein Holsterhausen (Dorf) reaktiviert wurde (Hervest-Dorsten folgte erst 1956 nach), fand das nicht in allen Teilen der Bevölkerung große Freude und Zustimmung. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an harte militärische Ausbildungen und die Leiden des Krieges, zumal noch viele Söhne des Volkes in einer Kriegsgefangenschaft waren. So war es kein Wunder, dass eine der beiden Ortszeitungen (Westfälische Rundschau) dem im Jahre 1948 erstmals wieder stattfindenden Schützenfest eine Reportage unter der Überschrift "Nun marschieren sie wieder" widmete. Der Berichterstatter fand so etliche Haare in der Suppe, obwohl nur mit der Armbrust geschossen werden durfte. Das Motto "Ordnung, Einigkeit und Frohsinn", unter dem die Schützen neu angetreten waren, fand entweder keine Wertschätzung oder schien dem Berichterstatter gar suspekt. Wie dem auch sei, das erste wie auch die folgenden Schützenfeste des Allgemeinen Schützenvereins Holsterhausen (Dorf) wurden von der Bevölkerung, die noch einen Nachholbedarf im Feiern in gesellschaftlicher Runde hatte, gut angenommen. Obwohl der Hauptteil der Mitglieder rund um die Pfarrkirche St. Antonius wohnte, hatten sich die Initiatoren der Reaktivierung wohl Gedanken darüber gemacht, wie man auch die Einwohner der anderen Kirchengemeinden für ein Mitmachen gewinnen könnte. Der Erfolg blieb nicht aus, nachdem Menschen dieser Zielgruppe auch für "würdig" erachtet wurden, den Verein als Schützenkönig oder Schützenkönigin zu repräsentieren. So ergab es sich, dass der an der Borkener Straße sein Geschäft betreibende Textilkaufmann Fritz Winkel für den Sonntag des Jahres 1948 vertretungsweise den Part des Schützenkönigs von 1938, Johannes Schütter, übernahm, weil dieser im Kriege gefallen war. Am Schützenfest-Montag 1948 nahm sich der neue Schützenkönig Rudolf Schaub als Königin Frau Rika Passmann, die mit ihrem Gatten Heinrich an der Borkener Straße eine Bäckerei betrieb. Im Jahre 1950 wurde Frau Hildegard Küpper von der Annettestraße Königin des Schützenkönigs Josef Hater und 1952 schoss der Bäckermeister Alois Nolte, der sein Geschäft an der Borkener Straße betrieb, den Vogel ab.

Ausgangslage für die Gründung eines weiteren Schützenvereins im Jahre 1953

Bevor versucht wird, etwas über eine 50 Jahre zurück liegende Stimmungslage beiderseits der Borkener Straße auszuführen, sollten einige Fakten voran gestellt werden. Neben dem im Vorwort genannten Königinnen/Königen wohnten im Jahre 1953 etliche Spitzenrepräsentanten des Schützenvereins Dorf nicht im Kernbereich des Dorfes, sondern in der Nähe der Borkener Straße. So der Vorsitzende Josef Schlagenwerth, der Kassierer Bernhard Honsel, der Hauptmann der 1. Kompanie Paul Bungert (mit seinem unnachahmlichen Stechschritt) und der Hauptmann der 2. Kompanie Franz von Hinten (Söltener Landweg). Dazu kam, dass im Jahre 1953 der Verein durch das junge und sehr attraktive Königspaar Johannes Tegelkamp und Hildegard Schreiter repräsentiert wurde. Die Zeitgeschichte hat bewiesen, dass viele Initialzündungen aus einer feucht-fröhlichen Feier kamen, wobei auch dumpfe Minderwertigkeitsgefühle eine Rolle spielten. Was heute als dumm oder gar absurd abgetan werden könnte, war vor 50 Jahren noch latent. Bei Ursachenforschungen hilft kein Schönreden. Von einem Teil des rund um St. Antonius wohnenden Besitzbürgertums wurden die Bewohner der "alten" Kolonie ostwärts der Borkener Straße und der "neuen" Kolonie (auch Sachsen-Kolonie genannt) kurzweg (meistens abwertend) als "Kolonisten" bezeichnet, die ihrerseits die Anderen "Dörfler" nannten. Man nahm einander mit einer gewissen Distanz an.

Josef Bogoczek vor seiner Seltersbude

Frühjahr 1953: Josef Bogoczek vor seiner Seltersbude

Auch das mag dazu geführt haben, dass einige Stammkunden von Josef Bogoczek, der an der nördlichen Seite der Ecke Heinrichstraße/Borkener Straße ein kleines Holzhäuschen (im Volksmund "Seltersbude" genannt) hingesetzt hatte und aus demselben Süß- und Tabakwaren sowie Getränke verkaufte, neben dem allgemeinen Klatsch und Tratsch auch das Thema Schützenverein diskutierten. Der Kern dieser Diskutanten bestand neben Josef Bogoczek selber aus Heinrich Nohendorf, Helmut Zielonka und dem Polizeibeamten Fritz Kramer, der des öfteren auf seinem Fahrrad "Kontrollrunden" drehte. Sehr zum Missvergnügen des Betreibers der gegenüber liegenden Gaststätte Schmitz verkaufte Josef B. auch Flaschenbier und bekanntlich steigt mit dem Bierkonsum auch der Kampfesmut. Die mehr oder weniger losen Treffen an der Verkaufsbude zogen sich während der Schönwetterperiode über Wochen hin und der Kreis derjenigen, die auch ihren "Senf" dazugeben wollten, wurde größer. Dabei ignorierten die Diskutanten, dass - wie eingangs aufgeführt - gewichtige Repräsentanten des Schützenvereins Dorf beiderseits der Borkener Straße wohnten. So mehr aus dem Bauch heraus kam das Verlangen eines großen Treffens, auf dem man den "Dörflern" klarmachen wollte, dass sich die Einwohner dieses Stadtteils nicht länger als "Stiefkinder" behandeln lassen wollten. Mehr oder weniger durch Mundpropaganda (vermutlich auch durch eine Pressenotiz) wurde publik gemacht, dass an einem Sonntagmorgen im August 1953 ein Zusammentreffen aller Interessierten im Saale der Gastwirtschaft Schmitz geplant sei. An dem besagten Sonntagmorgen war Klaus Koch, der von der ganzen Angelegenheit nichts wusste, mit Herbert Schulz zum Frühschoppen an der Theke der Gastwirtschaft Schmitz. Nicht weit von ihnen stand der Tischlerobermeister August Kraushaar. Die nur schleppende Unterhaltung wurde permanent unterbrochen, weil andauernd die Einganstür aufging und Männer in den Saal strömten. Das erweckte die Neugier der Drei. Nun gingen Herbert Schulz und Klaus Koch ebenfalls in den Saal und setzten sich auf das bordeaux-rote Plüschsofa in der Ecke. Beide erwarteten, dass da irgendetwas ablaufen würde. Als der Saal nahezu gefüllt war, hörten die Beiden die Stimme von Fritz Kramer, der wohl eine Art von Versammlungsleiter praktizierte. Bald wurde klar worum es ging. Rede und Widerrede wechselten sich ab. Unter den Diskutanten waren auch der Oberst des Schützenvereins Dorf, Harry Piel, und der Fahrer von Bürgermeister Schürholz, Hans Jaroni, die der Idee einer Neugründung widersprachen. Immer andere Redner meldeten sich zu Wort. Die Zeit verging, die Stimmung kochte hoch und es war kein Ende abzusehen. Da bat Klaus Koch ums Wort. Er mahnte, dass die Frauen wohl mit dem Essen warten würden. Aus den Wortbeiträgen sei herauszuhören gewesen, dass die meisten Redner für die Gründung eines neuen Vereins seien. Doch habe das einen Sinn? Er machte den Vorschlag, bei den drei Friseurbetrieben Rudi Feyfar, Heinrich Kästner und Hans Schulte Listen auszulegen, um herauszufinden, ob in der Bevölkerung ein entsprechendes Interesse vorhanden sei. Die Anwesenden waren sofort einverstanden. Aus der Mitte der Teilnehmer kam dann der Vorschlag, einen vorbereitenden Ausschuss zu wählen, der die Vereinsgründung vorbereiten solle, falls die Eintragungen in die Listen eine angemessene Zahl von Männern erreichen würden. Um die Zusammenkunft nun zu Ende zu bringen, erklärte sich Klaus Koch auf Vorschlag bereit, diesem Gremium vorzustehen. August Kraushaar und Erich Heinrich kamen noch dazu und selbstverständlich Fritz Kramer.

Das Werden

Nach circa 3 Wochen Ausliegezeit hatten sich rund 150 Interessenten in die drei Listen eingetragen. Darunter mehr als ein halbes Dutzend, die bereits Mitglied im Schützenverein Dorf waren. Darunter waren auch einige Gewerbetreibende, die sich wohl mehr aus Geschäftssinn einer Neugründung zugeneigt zeigten. Die beachtliche Zahl von Eintragungen war auch deshalb nicht verwunderlich, weil sich der Teil ostwärts der Idastraße als eine Art Diaspora im Schützenwesen darstellte. Der vorbereitende Ausschuss kam deshalb zu der Ansicht, eine Satzung vorzubereiten und einen Termin für eine Gründungsversammlung mit Vorstandswahlen zu benennen. Da die Wirtschaft nur langsam erblühte und mit den Einkommen der arbeitenden Bevölkerung nur die Grundbedürfnisse gedeckt werden konnten (die gesamte Waldsiedlung sowie die Hammbach-Siedlung wurden erst später gebaut), musste ein zugkräftiger Passus in die Satzung eingebaut werden. Dieser besagte, dass jedes Mitglied (ab 18 Jahre) unabhängig vom beruflichen Stand und Vermögen berechtigt sei, Schützenkönig zu werden, wobei allerdings ein guter Leumund und der Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte Voraussetzung seien. Dieser Grundtenor sollte sich für die Entwicklung des Vereins noch als sehr nützlich erweisen. Der vorbereitende Ausschuss hatte auch bezüglich der in der Satzung aufgeführten Vorstandspositionen gute Vorarbeit geleistet. Durch die beiden Ortszeitungen wurde zur Gründungsversammlung am Morgen des 23. September 1953 in den Saal der Gastwirtschaft Schmitz eingeladen. Klaus Koch übernahm die Versammlungsleitung und forderte die Erschienenen auf, sich in die Anwesenheitslisten einzutragen. Danach las er den für den Bürgerschützenverein Dorsten-Holsterhausen 1953 vorbereiteten Satzungsentwurf vor und bat um Annahme. Diese erfolgte einstimmig. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurde der erst 24-jährige kaufmännische Angestellte Klaus Koch gegen seine Stimme zum 1. Vorsitzenden gewählt. Sein Einwand, dass er in 2 Monaten zur Innenstadt umziehen würde und er somit ungeeignet sei, wurde von den Anwesenden mit "Du stehst für uns Holsterhausener hier in der Pflicht" zurückgewiesen. Sein Stellvertreter wurde der Obermeister der Tischlerinnung August Kraushaar. Als Geschäftsführer wurde der Malermeister August Schlüter, als Kassierer (später Schatzmeister genannt) der Leiter der Zweigstelle Holsterhausen der Spar- und Darlehnskasse Heinz Vorholt, als Schriftführer der Polizeibeamte Fritz Kramer und als Protokollführer der Bauhandwerker Erich Heinrich gewählt.

Die Vereinsgründer

v. links stehend: Die Vereinsgründer August Kraushaar, Helmut Zielonka, Klaus Koch, Fritz Kramer, Heinrich Kästner, Rudolf Feyfar

Als es nun um die Frage ging, wer den in der Satzung genannten Mitgliedsbeitrag von 1 DM einkassieren würde, meldeten sich Franz Grunau, Theo Nowak, Josef Wiche und Herbert Schulz. Die Versammlungsteilnehmer waren einverstanden, so dass später der sich für alle ungeklärten Fälle zuständig fühlende Fritz Kramer 4 Kassierungsbezirke einteilen konnte. Der Beitrag von 1 DM schien für die damalige Zeit reichlich bemessen. Doch der Vorstand machte klar, dass die Hälfte davon beim Schützenfest jedem Mitglied in Form von Verzehrmarken vergütet werden sollte. Eine Regelung, die sich später bei den Verhandlungen mit den Betreibern der Zeltrestauration als sehr nützlich erweisen sollte. Die Überlegung, dass kaum jemand auf die Rückvergütung verzichten und deshalb zum Zelt kommen würde, wurde immer wieder bestätigt. Die Kosten für die Vereinsführung waren gleich Null, weil von vornherein der Grundsatz galt, dass kein Vorstandsmitglied irgendwelche Spesen zu Lasten der Vereinskasse abrechnen sollte. Mit einer Ausnahme hielten sich alle daran. Runden zu Lasten der Vereinskasse gab es nicht. Ziel eines Schützenvereins ist neben der Pflege der Kameradschaft die Abhaltung eines Schützenfestes. Da dieses schon bald stattfinden sollte, machte sich der Vorstand daran, einen Termin auszusuchen, der nicht mit denen der schon bestehenden Schützenvereine kollidierte sowie, was wohl sehr wichtig war, einen Zeltverleiher und Restaurateur zu finden.

Der 24-jährige Vorsitzende Klaus Koch

Der 24-jährige Vorsitzende Klaus Koch

Da erwies es sich als ein großer Vorteil, dass Klaus Koch zwei/drei Jahre vorher, federführend für die Ortsgruppe Holsterhausen der IG Bergbau, anlässlich der 1. Mai-Feiern mit der Firma Zelte-Koch, Dortmund, auf der Wiese Schulte-Hagenau 2 Zeltfeste durchgeführt hatte. Die Firma Zelte-Koch hatte damals einen guten Reibach gemacht und meinte wohl, auch dieses Mal könne wohl nichts schief gehen. Man einigte sich auf einen Sonntag Ende Mai 1954. Ein Handicap war, dass die Firma Zelte-Koch vertraglich zum Ausschank von DAB-Bier und Pepsi-Cola verpflichtet war. Dieses war den Vertretern der Rose-Brauerei und des Coca-Cola-Vertriebs Krietemeyer bekannt. Als diese von dem bevorstehenden Fest erfuhren, wurden sie beim Vorstand vorstellig mit den Wünschen, ihre Produkte im Zelt zum Ausschank zu bringen. Erst nach mehreren Verhandlungen erklärte sich Zelte-Koch bereit, dem Verlangen stattzugeben. Damit begann auch die Periode einer langen "Ehe" zwischen der Rose-Brauerei und dem Bürgerschützenverein Dorsten-Holsterhausen 1953, die beiden zum Vorteil gereichte. Nun galt es, dem Schützenverein die Korsettstangen einzuziehen und die bilden nun einmal das Offiziers- und Unteroffizierskorps. Bei der Sichtung der geeigneten Kandidaten wurde Wert darauf gelegt, dass eine breite Vertretung aller Berufsgruppen sichergestellt werden sollte. So ergab es sich zwangsläufig, dass überwiegend Belegschaftsmitglieder der Schachtanlage Fürst Leopold-Baldur mit Funktionen betraut wurden. So waren der Hauptmann Alfred Stemmler, der Oberleutnant Bernhard Botterbrod, der Leutnant Ernst Wratschko und der Hauptfeldwebel Alois Häming von der 2. Kompanie Bergleute. Hauptmann der 1. Kompanie wurde der erst 23-jährige Bäckergeselle Willi Frerick von der Humboldtstraße, Oberleutnant der Orgelbauer Helmut Walter, Leutnant der Zechenangehörige Gerhard Rautenberg und als erfahrener Kommandogeber der Hauer Josef (Sepp) Frank. Als Königsadjutant wurde der Fleischergeselle Günter Boers eingesetzt. Um in der Tradition der Schützenvereine zu bleiben, wurde nach 4 Männern Ausschau gehalten, die als Berittene den Stab Oberst, Major und deren beiden Adjutanten bilden sollten. Als Major bot sich selbst der Bäckermeister Franz Bröskamp an, der in das Farben- und Tapetengeschäft Wemhoff aus Hervest-Dorsten eingeheiratet hatte und deren Filiale er neben dem Haushaltswarengeschäft Schlagenwerth auf der Freiheitsstraße führte. Zwar hatte er, der aus Wolbeck bei Münster stammte, mit der Reiterei wenig zu tun gehabt, doch den Versammlungsteilnehmern imponierte der Mut, den er aufbrachte. So auf einem fremden Pferd zu sitzen und dazu vor vielen Menschen Kommandos geben zu müssen, das war wohl nicht jedermanns Sache. Franz Bröskamp wurde ohne Gegenstimme gewählt, wobei nicht wenige skeptisch dreinschauten. Die Wahl von Gerd Kruse als dessen Adjutanten bot sich von selbst an, da er von Kindesbeinen "mit Pferden aufgewachsen" war. Robert Nowroths "Wahl", der im 2. Weltkrieg auch als Kavallerist gedienst hatte, zum Adjutanten des Obersten wurde von launigen Sprüchen begleitet. Doch wer sollte als Oberst den Verein repräsentieren? Von den Versammlungsteilnehmern wurde keiner als geeignet erachtet. Da fiel aus der Versammlung heraus der Name Karl Werner, der als Meister bei der Firma Paton beschäftigt war und von dem man wusste, dass er - aus Ostpreußen stammend - schon im 1. Weltkrieg als Kavallerist gedient hatte. Eine Delegation machte sich auf den kurzen Weg zu dessen Wohnhaus. Es war eine glückliche Fügung des Schicksals, als die Delegationsteilnehmer mit Karl Werner zurück kamen und dieser proppere ältere Herr die Wahl annahm. Dem Gastwirt Willi Schmitz sen. wurde der Titel "Ehrenoberst" verliehen. Der Vorstand wollte sich nicht den Bräuchen der Nachbarvereine anschließen, bei denen die Vorstandsmitglieder bei Feierlichkeiten schwarze Zylinder trugen. Er machte deshalb den Vorschlag, dass alle Mitglieder ausnahmslos einen Schützenhut mit passender Feder tragen sollten. Um eine Einheitlichkeit zu gewährleisten wurde das Textilhaus Winkels mit der Beschaffung betraut. Eine Ausnahme sollten nur die Kopfbedeckungen von Oberst und Major bilden, denen ein besonderer Federschmuck zugebilligt wurde. Die Rangabzeichen für die Offiziere und Unteroffiziere sollten denen gleichen, die zuletzt in der deutschen Wehrmacht üblich waren. Bald kam das Thema auf, dass man als Verein ja schnellstens eine Fahne haben müsse und so machte sich Franz Grunau, der vom Reichsbund der Kriegs- und Zivilgeschädigten Erfahrungen mitbrachte, zu einer großen Sammelaktion auf den Weg. Bald war eine stattliche Summe zusammengetragen und Änne Nowroth sprach ihre Schwester an, die in einem Kloster im Münsterland lebte. Diese wiederum aktivierte ihre Mitschwestern zum Entwurf und Fertigstellung einer mit den Symbolen des neuen Vereins versehenen Fahne. Es war wirklich ein Prachtstück, für das noch der passende Schaft mit Spitze zu besorgen galt.

Vorbereitungen für das erste Schützenfest

Der Vorstand mache sich nun daran, den Gesamtablauf des Festes organisatorisch vorzubereiten. Die Bergwerkskapelle von Fürst Leopold-Baldur war mit 15 Musikern unter der Leitung von Rudi Maiwald für die Marsch- und Tanzmusik an allen 3 Tagen sowie dem Sonntag der Vorparade für 825 DM verpflichtet worden. Selbstverständlich wurde auch das Tambourkorps des Schützenvereins Holsterhausen-Dorf unter der Leitung von Ludwig Prewing engagiert. Der Bürgermeister Paul Schürholz, gleichzeitig Vorsitzender und Oberst der Altstadtschützen wurde schriftlich gebeten, die Fahnenweihe am Sonntag und die Inthronisierung des 1. Schützenkönigspaares am Montag vorzunehmen. Gleichzeitig wurden die Vorsitzenden der Nachbarvereine mit jeweiliger Fahnenabordnung zur Fahnenweihe und eine Thronabordnung von jeweils 6 Paaren zum Krönungsball am Montagabend eingeladen. Besonders letzteres war ein kluger Schachzug, der für das Dorstener Schützenwesen völlig neu war. Die anfangs etwas zögerliche Kontaktaufnahme entwickelte später echte Zuneigungen und Freundschaften. Auch die anderen Schützenvereine erkannten bald, dass durch die festlich gekleideten Thronabordnungen bei den Krönungsbällen am Montagabend eine gehobene, ja fast elegante Atmosphäre geschaffen wurde. Da der Verein naturgemäß noch keinen König hatte, folgten die Mitglieder dem Vorschlag des Vorstandes, den als Geschäftsführer gewählten Maler- und Anstreichermeister August Schlüter am Sonntag als "Präsident" agieren zu lassen. Ihm zur Seite wurde die Ehefrau des Festausschussmitgliedes Georg Schranner, Irmgard Schranner, gestellt. Nun war es gar nicht so einfach eine entsprechende "Thronbesatzung" zusammen zu bekommen. In der damaligen Zeit war das Geld nicht so locker und welche Frau hatte schon ein langes Kleid im Schrank. Als mit Freiwilligkeit wenig zu machen war, ordnete der Vorstand im Einvernehmen mit dem Stab an, dass alle Vorstandsmitglieder einschließlich der Kassierer sowie alle Offiziere plus Hauptfeldwebel auf dem Thron Platz zu nehmen hatten. Zudem erfolgte der Beschluss der Mitgliederversammlung, dass für jede Person auf dem Thron ein festes Throngeld zu zahlen sei.

Das erste Schützenfest am letzten Mai-Wochenende des Jahres 1954

Kranzniederlegung beim 1. Schützenfest

Kranzniederlegung beim 1. Schützenfest

Weil zu der Zeit rings um die Gastwirtschaft Schmitz genügend Freiflächen vorhanden waren, konnte das circa 1000 m² große Zelt mit Kirmeseinrichtungen gut neben der Borkener Straße plaziert werden. Schon der Schützenball am Samstagabend war gut besucht und die Stimmung dank der Bergwerkskapelle, von der Musiker zum Spaß kurzzeitig sogar auf die Zelt-Holzbalken geklettert waren, hervorragend. Es waren weit über 100 Schützen, die am Sonntagmorgen - nach dem Kirchgang - zum Kriegsgräber-Rondell auf dem Waldfriedhof zur Gefallenen- und Totenehrung antraten. Mit dabei war auch der Gesangverein "Sangeslust". Eine Übung, die sich mit der Zeitverschiebung auf Samstagnachmittag bis heute erhalten hat. Der Programmablauf wurde durch die "Schützenpost" und durch die beiden Lokalzeitungen publiziert und so wurde über den Ortsteil Holsterhausen hinaus eine gewisse Neugier geweckt. Was mögen die "Kolonisten" wohl zustande bringen? Der Ablauf war perfekt. 6 Ehrenjungfrauen (unter ihnen Hetta Nolte, damals Stasch, Maria Kunkel, damals Kästner, Doris Berger, damals Winkels, Christel Goldschmidt, damals Neumann und Elsbeth Fasselt, damals Kraushaar) trugen die neue Fahne am Sonntagnachmittag zu dem Flachwagen auf dem alten BVH-Sportplatz, wo der wortgewaltige Bürgermeister Paul Schürholz die Rede hielt und die Fahne den Fäusten der 3 neuen Fahnenoffiziere Heinz Klomberg, Heinz Kästner und Theo Schlüter übereignete, wonach die Fahnenspitze mit den Fahnen der Fahnenabordnungen des Brudervereins Holsterhausen-Dorf, Dorsten-Altstadt, Feldmark, Hardt und Dorf Hervest berührt wurde. Dem Zeremonielle wohnten dankbarerweise auch die Vorsitzenden der vorgenannten Vereine bei.

1. Fahnenweihe

Kranzniederlegung beim 1. Schützenfest

Nachbarvereine

Alle Nachbarvereine waren bei der Fahnenweihe auf dem Planwagen stehend vertreten

In Ermangelung eines Königspaares waren für den Sonntag der Geschäftsführer und Malermeister August Schlüter als Präsident und Frau Irmgard Schranner als Präsidentin benannt. Beide warteten mit ihren Ehegatten auf den Vorbeimarsch des Bataillons. Doch der verzögerte sich, da das Karrenpferd von Valentin Pawlitza, auf dessen Rücken der Major Franz Bröskamp eine einigermaßen gute Figur zu machen versuchte, anfing zu bocken. Franz Bröskamp hatte gerade "Bataillon" geschrien, als der Zossen davon eilte und die Menschen nur noch ein nicht enden wollendes "br br br" aus der Kehle des Majors hörten. Das führte zu einer gelockerten Stimmung während des Umzuges durch einen Teil der Holsterhausener Straßen. Diese hätte der Bürgermeister ohne seine Teilnahme an demselben sonst wohl nie in seinem Leben gesehen. Es gab viele Neugierige, die ihre Hälse reckten, um genau festzustellen, wer nun am Abend die Stufen zum Thron heraufschritt und natürlich wer welches Kleid anhatte und welche Frisur. Nichts ist so beißend wie die scharfe Zunge einer missgünstigen Nachbarin. Und so herrschte anfangs eine gewisse Beklommenheit vor, die sich aber bald löste. Niemand fiel aus der Rolle und um 2 Uhr des frühen Montags war die Thronherrlichkeit zu Ende. Um 10 Uhr war die Zeit zum Antreten für die Vorbereitungen zum Königsschuss des 1. Schützenkönigs.

1.Umzug

Der 1. Umzug durch Holsterhausen 1954: v. links Klaus Koch, Bürgermeister Paul Schürholz, August Kraushaar, 2. Reihe: Vorsitzender der "Dörfler" Johann Schlagenwerth, Fritz Kramer

Der Stand war auf dem alten Sportplatz an der Borkener Straße aufgebaut. Die Schießaufsicht oblag dem Waffenmeister von der Firma Hofmann aus Dorsten. Nachdem der hölzerne Vogel um Krone, Zepter und Reichsapfel mittels KK-Munition beraubt war, kam die große erwartungsvolle Pause. Wer wagt sich? Alles war so neu. Was kostet das? Nach ein paar Bierchen meldete sich als erster ernsthafter Bewerber der Gastwirt Heinrich Boers, der zudem noch einen Jagdschein besaß. Doch das war zu wenig. Dann kam (wohl mehr spaßeshalber) Hans Frölich. Der Vorsitzende Klaus Koch war froh, als ihn Heinz Hortlik am Ärmel zupfte und sagte: "Frag doch mal meinen Vater!" Der Omnibusunternehmer Josef Hortlik war schließlich nicht abgeneigt und der Vorstand hocherfreut. Nach dem Ehrenschuss von Dechant Wehninck traten die Bewerber in der gewählten Reihenfolge jeweils mit einem Schuss an. Mit dem letzten Schuss von Josef Hortlik fiel der Rest des Vogels und dem Vorstand ein Stein vom Herzen. Als Bürgermeister Paul Schürholz am frühen Nachmittag im vollbesetzten Zelt Josef Hortlik zum ersten Schützenkönig und Frau Marianne Schlüter zur ersten Schützenkönigin proklamierte brandete minutenlang lauter Jubel auf. Der auf den Nachmittag um 17 Uhr geplante Umzug (nunmehr mit 2 Kutschen) sah viele freudig winkende Menschen an Fenstern und Straßenrändern. Zum Krönungsball am Montagabend konnten die dafür eingeteilten Offiziere große Abordnungen der eingeladenen Nachbarvereine zu den reservierten Tischen geleiten. Erfreulicherweise war die Zahl der Paare unseres Brudervereins Holsterhausen-Dorf besonders groß. Der erste Krönungsball war ein Bombenerfolg. Der Umstand, dass Josef Hortlik gleichzeitig 2. Vorsitzender des BVH war, festigte die Bande innerhalb der Bevölkerung. Der Verein gewann an Ansehen und die Mitgliederzahl stieg.

Folgt
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